Die Stille nicht ertragen
Wenn du die Stille plötzlich nicht mehr erträgst
Der Tag war voll.
Gespräche. Nachrichten. Aufgaben. Geräusche. Entscheidungen. Vielleicht noch schnell etwas erledigen, noch jemandem antworten, noch etwas organisieren.
Und dann wird es endlich still.
Eigentlich hast du dich den ganzen Tag danach gesehnt.
Doch kaum sitzt du auf dem Sofa oder liegst später im Bett, geschieht etwas Merkwürdiges:
Die Stille fühlt sich unangenehm an. Du greifst noch einmal zum Handy. Machst den Fernseher an. Hörst einen Podcast.
Lässt irgendetwas im Hintergrund laufen.
Hauptsache, es ist nicht ganz still.
Und wenn schliesslich wirklich nichts mehr von aussen kommt, wird es innen umso lauter.
Gedanken tauchen auf. Unerledigtes meldet sich. Gefühle, die tagsüber keinen Platz hatten, werden plötzlich spürbar.
Manchmal ist Stille gar nicht ruhig.
Der Tag war voll.
Gespräche. Nachrichten. Aufgaben. Geräusche. Entscheidungen. Vielleicht noch schnell etwas erledigen, noch jemandem antworten, noch etwas organisieren.
Und dann wird es endlich still.
Eigentlich hast du dich den ganzen Tag danach gesehnt.
Doch kaum sitzt du auf dem Sofa oder liegst später im Bett, geschieht etwas Merkwürdiges:
Die Stille fühlt sich unangenehm an. Du greifst noch einmal zum Handy. Machst den Fernseher an. Hörst einen Podcast.
Lässt irgendetwas im Hintergrund laufen.
Hauptsache, es ist nicht ganz still.
Und wenn schliesslich wirklich nichts mehr von aussen kommt, wird es innen umso lauter.
Gedanken tauchen auf. Unerledigtes meldet sich. Gefühle, die tagsüber keinen Platz hatten, werden plötzlich spürbar.
Manchmal ist Stille gar nicht ruhig.
Warum Ruhe nach einem vollen Tag so ungewohnt sein kann
Unser Gehirn schaltet nicht innerhalb weniger Minuten von Leistung auf Ruhe um.
Wenn du den ganzen Tag reagierst, organisierst, entscheidest und Informationen verarbeitest, befindet sich dein System in einem hohen Aktivierungszustand.
Fällt die äussere Beschäftigung weg, verschwindet diese innere Aktivierung nicht automatisch mit.
Gerade bei Schlafproblemen kennen wir dieses Phänomen gut.
Die Forschung spricht von Hyperarousal: einer erhöhten körperlichen, gedanklichen und emotionalen Wachheit. Bei Insomnie spielen insbesondere Gedanken, Sorgen und innere Anspannung eine wichtige Rolle.
Das erklärt auch, weshalb ein ruhiger Raum allein noch keine innere Ruhe erzeugt.
Du kannst auf einem stillen Sofa sitzen und dich innerlich trotzdem fühlen, als würdest du noch mitten durch deinen Tag rennen.
Und dann hörst du plötzlich dich selbst
Äussere Reize haben noch eine zweite Funktion.
Sie beschäftigen unsere Aufmerksamkeit.
Solange du zuhörst, liest, schaust, antwortest oder organisierst, richtet sich dein Fokus nach aussen.
Wird es ruhig, bekommt dein inneres Erleben mehr Raum.
Gedanken, Erinnerungen und Gefühle werden deutlicher wahrnehmbar.
Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Unser Gehirn bleibt auch in Ruhe aktiv und verarbeitet weiterhin innere Informationen.
Interessant ist dabei: Forschung zur Wirkung von Stille zeigt, dass äussere Ruhe nicht bei jedem Menschen automatisch Entspannung auslöst. Je nach Situation, innerem Zustand und Gewöhnung kann Stille zunächst sogar die Wachsamkeit erhöhen.
Mit zunehmender Vertrautheit kann sie sich dagegen immer mehr mit Ruhe und Sicherheit verbinden.
Das finde ich wichtig.
Denn es bedeutet:
Wenn du Stille schwer aushältst, musst du dich nicht zwingen, plötzlich zwanzig Minuten vollkommen ruhig dazusitzen.
Ruhe darf wieder vertraut werden.
Die TCM würde sagen: Dein Yang läuft noch weiter
Die Traditionelle Chinesische Medizin hat dafür ein sehr schönes Bild.
Unser Tag gehört stärker zum Yang.
Yang steht für Aktivität, Bewegung, Leistung, Wärme, Aussenorientierung.
Die Nacht gehört stärker zum Yin.
Yin steht für Ruhe, Rückzug, Sammlung, Dunkelheit und Regeneration.
Ein gesunder Rhythmus braucht beides.
Schwierig wird es, wenn wir bis weit in den Abend hinein im Yang bleiben.
Noch eine Nachricht. Noch ein Video. Noch eine Aufgabe. Noch schnell etwas recherchieren.
Und dann erwarten wir von unserem Körper, dass er wenige Minuten später ins Yin gleitet und schläft.
So abrupt funktioniert Regulation oft nicht.
Zwischen Aktivität und Schlaf braucht es einen Übergang.
Im Qi Gong sprechen wir nicht davon, Aktivität einfach abzuschalten.
Wir lassen Bewegung langsamer werden.
Den Atem ruhiger.
Die Aufmerksamkeit weiter nach innen sinken.
Yang darf sich allmählich ins Yin zurückziehen.
Genau darin liegt ein grosser Unterschied.
Stille muss nicht bedeuten, regungslos zu sein.
Hier entsteht oft ein Missverständnis.
Wenn du innerlich aufgedreht bist, kann völlige Bewegungslosigkeit zunächst unangenehmer sein als eine ruhige Bewegung.
Deshalb liebe ich Qi Gong gerade für Frauen, deren Kopf am Abend noch auf Hochtouren läuft.
Du musst nicht sofort meditieren.
Du darfst dich bewegen.
Langsam. Bewusst. Mit weniger Reizen.
So entsteht ein Übergang zwischen Aktivität und Ruhe.
Was beim Qi Gong im Gehirn geschieht
Bei Meditation, Tai Chi und Qi Gong wurden in Studien Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität beobachtet. Häufig werden dabei Alpha- und teilweise Theta-Aktivitäten beschrieben, die mit entspannter Wachheit beziehungsweise meditativen Zuständen in Verbindung gebracht werden.
Daraus sollten wir allerdings nicht ableiten, dass jede Qi-Gong-Übung automatisch bestimmte Gehirnwellen „erzeugt“ oder das Gehirn direkt in einen Schlafzustand versetzt.
Viel hilfreicher finde ich diese Übersetzung:
Qi Gong kann Bedingungen schaffen, unter denen Aktivierung sinkt und Aufmerksamkeit ruhiger wird.
Und genau das kann am Abend hilfreich sein.
5 Wege, wie du wieder Freundschaft mit der Stille schliessen kannst
1. Geh nicht von hundert auf null
Wenn dein Tag bis 21 Uhr voller Aktivität ist, muss um 21.05 Uhr keine völlige Ruhe herrschen.
Baue einen Übergang ein.
Zum Beispiel:
10 Minuten ruhige Musik.
Dann Licht reduzieren.
Dann eine kleine Qi-Gong-Übung.
Dann erst ins Bett.
Du führst dein System Schritt für Schritt vom Yang ins Yin.
2. Übe Stille am Tag
Warte nicht bis zum Einschlafen.
Beginne dort, wo kein Schlafdruck dahintersteht.
Setz dich tagsüber zwei Minuten ans Fenster.
Ohne Handy.
Ohne Podcast.
Ohne Aufgabe.
Schau hinaus.
Zwei Minuten reichen.
Wenn das angenehm wird, mach drei daraus.
So kann dein System erfahren, dass Stille nicht nur zu dem Moment gehört, in dem du unbedingt schlafen möchtest.
3. Lass deine Hände sinken
Eine meiner liebsten kleinen Qi-Gong-Übungen für den Abend:
Stell dich hüftbreit hin.
Heb beim Einatmen beide Hände langsam vor deinem Körper bis ungefähr auf Brusthöhe.
Beim Ausatmen lässt du sie langsam wieder nach unten sinken.
Als würdest du Wasser glätten.
Fünf- bis achtmal.
Keine Leistung.
Keine perfekte Atemtechnik.
Nur:
heben – sinken.
Aktivität – Ruhe.
Yang – Yin.
4. Gib deinen Gedanken vorher einen Platz
Wenn dein Kopf in der Stille plötzlich alles hervorholt, was tagsüber liegen geblieben ist, gib diesen Gedanken früher Raum.
Nimm dir am frühen Abend fünf Minuten und notiere:
Was ist heute noch in meinem Kopf?
Keine langen Tagebuchseiten.
Nur Stichworte.
Damit gibst du dem, was noch kreist, bewusst einen Platz.
Und vielleicht darf dann der Satz entstehen:
Ich habe es gesehen. Für heute muss ich es nicht weitertragen.
5. Mach aus der Stille etwas Warmes
Stille wird schwer, wenn sie sich leer anfühlt.
Mach sie sinnlich.
Ein warmes Licht.
Eine Tasse Tee.
Eine Decke.
Warme Hände auf deinem Bauch.
Ein vertrauter Duft.
In der TCM ist Yin kein kaltes Nichts. Yin bedeutet auch Nähren, Sammeln und Bewahren. Das ist ein ganz anderes Bild von Ruhe.
Wenn du innerlich aufgedreht bist, kann völlige Bewegungslosigkeit zunächst unangenehmer sein als eine ruhige Bewegung.
Deshalb liebe ich Qi Gong gerade für Frauen, deren Kopf am Abend noch auf Hochtouren läuft.
Du musst nicht sofort meditieren.
Du darfst dich bewegen.
Langsam. Bewusst. Mit weniger Reizen.
So entsteht ein Übergang zwischen Aktivität und Ruhe.
Was beim Qi Gong im Gehirn geschieht
Bei Meditation, Tai Chi und Qi Gong wurden in Studien Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität beobachtet. Häufig werden dabei Alpha- und teilweise Theta-Aktivitäten beschrieben, die mit entspannter Wachheit beziehungsweise meditativen Zuständen in Verbindung gebracht werden.
Daraus sollten wir allerdings nicht ableiten, dass jede Qi-Gong-Übung automatisch bestimmte Gehirnwellen „erzeugt“ oder das Gehirn direkt in einen Schlafzustand versetzt.
Viel hilfreicher finde ich diese Übersetzung:
Qi Gong kann Bedingungen schaffen, unter denen Aktivierung sinkt und Aufmerksamkeit ruhiger wird.
Und genau das kann am Abend hilfreich sein.
5 Wege, wie du wieder Freundschaft mit der Stille schliessen kannst
1. Geh nicht von hundert auf null
Wenn dein Tag bis 21 Uhr voller Aktivität ist, muss um 21.05 Uhr keine völlige Ruhe herrschen.
Baue einen Übergang ein.
Zum Beispiel:
10 Minuten ruhige Musik.
Dann Licht reduzieren.
Dann eine kleine Qi-Gong-Übung.
Dann erst ins Bett.
Du führst dein System Schritt für Schritt vom Yang ins Yin.
2. Übe Stille am Tag
Warte nicht bis zum Einschlafen.
Beginne dort, wo kein Schlafdruck dahintersteht.
Setz dich tagsüber zwei Minuten ans Fenster.
Ohne Handy.
Ohne Podcast.
Ohne Aufgabe.
Schau hinaus.
Zwei Minuten reichen.
Wenn das angenehm wird, mach drei daraus.
So kann dein System erfahren, dass Stille nicht nur zu dem Moment gehört, in dem du unbedingt schlafen möchtest.
3. Lass deine Hände sinken
Eine meiner liebsten kleinen Qi-Gong-Übungen für den Abend:
Stell dich hüftbreit hin.
Heb beim Einatmen beide Hände langsam vor deinem Körper bis ungefähr auf Brusthöhe.
Beim Ausatmen lässt du sie langsam wieder nach unten sinken.
Als würdest du Wasser glätten.
Fünf- bis achtmal.
Keine Leistung.
Keine perfekte Atemtechnik.
Nur:
heben – sinken.
Aktivität – Ruhe.
Yang – Yin.
4. Gib deinen Gedanken vorher einen Platz
Wenn dein Kopf in der Stille plötzlich alles hervorholt, was tagsüber liegen geblieben ist, gib diesen Gedanken früher Raum.
Nimm dir am frühen Abend fünf Minuten und notiere:
Was ist heute noch in meinem Kopf?
Keine langen Tagebuchseiten.
Nur Stichworte.
Damit gibst du dem, was noch kreist, bewusst einen Platz.
Und vielleicht darf dann der Satz entstehen:
Ich habe es gesehen. Für heute muss ich es nicht weitertragen.
5. Mach aus der Stille etwas Warmes
Stille wird schwer, wenn sie sich leer anfühlt.
Mach sie sinnlich.
Ein warmes Licht.
Eine Tasse Tee.
Eine Decke.
Warme Hände auf deinem Bauch.
Ein vertrauter Duft.
In der TCM ist Yin kein kaltes Nichts. Yin bedeutet auch Nähren, Sammeln und Bewahren. Das ist ein ganz anderes Bild von Ruhe.
Eine kleine Übung für drei Abende
Beobachte in den nächsten drei Tagen einmal bewusst den Moment, in dem es still wird.
Frag dich:
Wann beginne ich, die Stille zu vermeiden?
Greife ich zum Handy?
Brauche ich Hintergrundgeräusche?
Beginne ich plötzlich aufzuräumen?
Oder kommen sofort Gedanken?
Dann frage dich:
Was wäre ein kleinerer Schritt Richtung Ruhe, den mein System heute gut mitgehen kann?
Nicht der perfekte Abend. Nur ein Schritt.
Die Nacht braucht einen Übergang
Stille ist nicht automatisch Entspannung.
Für ein System, das den ganzen Tag auf Aktivität eingestellt war, kann Ruhe zunächst ungewohnt und manchmal sogar beunruhigend wirken.
Die TCM würde es anders ausdrücken:
Yang muss Zeit bekommen, sich ins Yin zurückzuziehen.
Und genau das gefällt mir an diesem Bild so gut.
Du musst deinen Tag am Abend nicht abrupt abbrechen.
Du darfst ihn ausklingen lassen.
Langsamer werden. Leiser werden. Wieder spüren, was in dir geschieht.
Bis Stille irgendwann nicht mehr wie ein leerer Raum wirkt.
Sondern wie ein Ort, an dem du wieder bei dir ankommen kannst..
Dein nächster Schritt
Wenn dein Körper müde ist und dein Kopf am Abend trotzdem weiterläuft, lohnt es sich, genauer hinzusehen, welches Schlafmuster hinter deinen Nächten steckt und was dein System noch in Aktivität hält.
Mein Schlaftyp-Quiz hilft dir dabei, erste Zusammenhänge zu erkennen und besser zu verstehen, welche Ansätze zu dir passen.
Wenn dein Körper müde ist und dein Kopf am Abend trotzdem weiterläuft, lohnt es sich, genauer hinzusehen, welches Schlafmuster hinter deinen Nächten steckt und was dein System noch in Aktivität hält.
Mein Schlaftyp-Quiz hilft dir dabei, erste Zusammenhänge zu erkennen und besser zu verstehen, welche Ansätze zu dir passen.
Denn guter Schlaf beginnt oft schon lange vor dem Bett.
Gut schlafen – gut leben.
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